Gemeinsamkeiten und Unterschiede der

Quecksilber-Arzneien

als Folge ihrer atomaren Konfiguration

 

Quecksilber 80-Hg-201 hat die Elektronenkonfiguration [Xe]4f145d106s2. Es wird als Übergangsmetall bezeichnet, weil es im d-Block des Periodensystems beheimatet ist. Es kommt in der Natur in reiner Form vor, bei entsprechenden Temperaturen erscheint es als Flüssigkeit (Raumtemperatur), Gas oder Feststoff. Es ist das einzige Element des d-Blockes, welches nicht nur alle s- und d-Orbitale (wie bei Zink und Cadmium derselben 12. Gruppe), sondern auch die f-Orbitale (auf 7 Verteilachsen = 2 x 7 = 14 Elektronen) vollständig mit Elektronen besetzt hat. Seine einmalige Elektronen-Konfiguration erklärt das gesamte aussergewöhnliche Verhalten von Quecksilber.

 

Besetzte Orbitale werden näher an den Atomkern herangezogen (Verkleinerung des Atomradius). Dadurch ist Quecksilber 13.5 mal dichter wie Wasser, so dass sogar Eisen, dessen Dichte 7.9 mal so hoch ist wie jene von Wasser, auf Quecksilber schwimmt. An der Oberfläche des Quecksilber-Atoms ist eine so hohe Energiedichte und damit eine so hohe Oberflächen-Spannung vorhanden, dass Quecksilber als Flüssigstoff annähernd Kugelform annehmen kann. Durch die vollständige Besetzung der Orbitale gibt es keine «de-lokalisierten» Elektronen, welche elektrostatische Bindungen (durch Elektronentausch) eingehen könnten, weshalb es als flüssiges Unikat auftritt.

 

Quecksilber ist auch homöopathisch ein «Unikat», eine äuserst nützliche Arznei. Ist man aber von der richtigen Wahl nicht überzeugt, dann sollte man unbedingt dessen Gebrauch meiden, denn falsch verwendet führt es vor allem bei Kindern zu teils heftigen psychischen Reaktionen, welche in Aggressionen münden. Dies beschrieb auch Farrington. Was Farrington allgemein zu Mercurius schrieb, gilt grundsätzlich für alle Quecksilber-Präparate, die unten abgehandelt werden.

 

Farrington (Vergleichende Arzneimittellehre VA S.17): «Wie bei vielen andern mächtigen und wertvollen Medikamenten ist seine Geschichte ein trauriges Kapitel… Seine toxischen Eigenschaften zerstören Gesundheit und Leben». (Klinische Arzneimittellehre KA von Farrington S. 566): «Mercur ist ein heimtückisches Mittel. Er scheint oft indiziert; Sie geben ihn und er bessert, aber ihr Kranker verschlimmert sich wieder in wenigen Wochen, und dann geben sie ihn wieder mit Erfolg. Nach und nach lässt er Sie im Stich. Wenn ich ihn nun für eine anhaltende Kur wollte gebrauchen… so würde ich selten Mercur geben; täte ich es, so würde ich es wenigstens nur als ein interkurrentes Mittel geben.»

 

Das von Farrington genannte „traurige Kapitel“ hat sich bis in die Neuzeit fortgesetzt, was nachfolgendes Beispiel in Erinnerung bringen soll. Nach der Zeitschrift «Der Spiegel» Nr. 49 von 1992 wurden in der Altstadt von Fürth im 19. Jahrhundert 60 bis 70 Tonnen Quecksilber pro Jahr zur Spiegelproduktion verarbeitet. Es gäbe dort heute rätselhafte Todesfälle. So sei z.B. M.K., 49 Jahre, auf der Fahrt zur Arbeit frontal gegen einen freistehenden Baum gefahren. Er hätte jahrelang im Amtshaus gearbeitet, welches wegen der Quecksilberbelastung geräumt worden sei. «Jahrelang hatte M.K. über Schwindelgefühle geklagt. Häufig zitterten ihm die Hände, er wurde vergesslich, wusste mitten im Satz nicht mehr, was er eigentlich sagen wollte. Der Amtmann litt unter Schlafstörungen und plötzlichen Schweissausbrüchen. In manchen Nächten schwitzte er 3 Schlafanzüge durch... Nach fünf Jahren Arbeit im Amtshaus war der aktive Fussballer nervlich ein Wrack». Dies ist die wörtliche Schilderung von 1992.

 

In dem Jahre 1888 erschienenen Buch «Die Fürther Spiegelbelegen...» werden diese so beschrieben: «Gesicht aschfahl, Augen trüb, das Zucken nervöser Gereiztheit um den Mund... Das strauchelt beim Gehen und schwankt, zögernd setzt die Alte den Fuss vor, jenen schüttelt’s am ganzen Körper, der schlenkert mit den Armen unruhig... Angstgepeinigt bleibt er stehen, er streckt die Hände in die Taschen und zwingt sich, sie darin (still) zu halten. Schau ihm ins Gesicht und seine Furcht wird steigen, er kommt nicht von der Stelle, gelähmt vom Quecksilber...» Alle Symptome von 1888 und 1992 gemeinsam aufgelistet korrelieren im amokoor mit Mercurius, wie die nachfolgende Auflistung der Symptome zeigt.

 

 

Mercurius solubilis

(Mercurius vivus)

 

Farrington (KA S. 562): «Mercurius solubilis ist kein reines Mercurialpräparat. Es enthält etwas Ammonium und etwas Acidum nitricum…» Farrington erwähnt, dass sich Mercurius vivus und solubilis in ihren Symptomen nicht voneinander unterscheiden lassen. (KA S 567) Mercurius «ist nicht so oft indiziert…, ist auch nicht so sicher und dauernd in seiner Einwirkung. Aber es kann in Frage kommen als Mittel zu teilweiser Besserung und kann indiziert sein als interkurrentes Mittel im Verlaufe der Behandlung mit Sulfur, wenn letzteres im Stich zu lassen scheint».

 

(VA S. 18): «Quecksilber verursacht durch seine stimulierende Wirkung primär einen Reizanstieg bis hin zur Entzündung und Eiterbildung. Dem folgen Trägheit und Schwäche bis hin zur Erschöpfung… Es folgt auf Belladonna…, (KA S 568) «wenn dieselbe hastige Sprache und das schnelle nervöse Reden vorhanden ist… Sie finden das Gesicht sehr gerötet, wie bei Belladonna, aber Sie haben ausserdem… Drüsenschwellungen und Neigung zu Munderkrankungen.» (VA S. 18): «Es unterscheidet sich von Belladonna und Hepar durch die erst nach der Eiterbildung mögliche Anwendung… So kann es bei Hirnaffektionen auf Belladonna folgen, ihm aber niemals vorangehen.» (KA 569): «Wir ziehen Belladonna vor bei Beginn der Entzündung, z.B. bei Tonsillitis. Der Hals ist hellrot und geschwollen… Mercur passt für einen noch mehr fortgeschrittenen Zustand, wenn der Eiter sich gebildet hat und Sie ihn entleeren wollen. Geben Sie ihn zu früh, so werden Sie den Fall verhunzen». Mercurius sol. sollte eher nicht gleich zu Beginn einer Krankheit, sondern erst dann gegeben werden, wenn die Krankheit beginnt sich voll entfaltet zu manifestieren.

 

(VA S. 20): «Kongestion und Entzündung werden von Hyperämie, Stauung und Exsudation abgelöst… Auch in serösem Gewebe erzeugt Mercurius verstärkte Sekretion; dies zeigt sich in Gelenken, serösen Höhlen, Muskelmembranen und unter dem Periost. Daher kann Mercurius bei Gelenkrheuma (Borreliose?), Pleuritis, Peritonitis und Periostitis (und Meningitis: Zecken?) von Nutzen sein.» (KA 568): «Ausserdem werden Sie fast immer Neigung zu Darmkatarrhen finden. Dieser charakterisiert sich durch schleimige, blutige Stühle, von Tenesmus begleitet…».

 

(KA S. 20): «Mercurius sollte bei Patienten in Betracht kommen, die eine Neigung zu schleimigen oder blutigen Absonderungen aufweisen; zu Eiterungen; zu vergrösserten Lymphdrüsen; die erregt, ängstlich und ruhelos sind, abends, mit grundloser Furcht; mit Reizbarkeit; Verlangen zu fliehen; mit nächtlicher Angst, Verhalten und Sprache sehr hastig; Blutwallungen und Zittern bei der geringsten Anstrengung.» Dazu der

 

Genius aus amokoor: Schleim/ Geschwulst/ Ödem/ trüb. Blutdrang. Geschwür/ Eiter/ foetid/ grün/ Blutung/ Galle. Bandgefühl. Tinnitus/ Zittern/ Tenesmus/ Krämpfe tonisch/ klonisch. (Hinken). Schmerzhaft/ erosiv/ klopfend/ Greifen. Unruhe/ Drang/ Schwere/ Angst/ Schwindel. Kontrollbedürfnis. Alles gereizt, boshaft, jammern/ Skrupel/ traurig, vergesslich. Harn/ Fluor scharf. Aufdämmen. Stuhl unverdaut. B Kaltes, A/<Kaffee/ Fleisch, >Nikotin. <Temperaturwechsel (!)/ Warmwerden/ Winter/ Nässe. <schwitzen. <Licht. <liegen schmerzhafter Seite. <Berührung/ schlucken/ kauen/ atmen ein. <Kränkung. <nachts. Kinder.

 

Mercurius corrosivus

(HgCl2 = Hydrargyrum bichloratum)

 

Die Halogene Chlor 17-Cl-35 ([Ne]3s2p5) und Brom 35-Br-80 ([Ar]3d104s2p5) sind chemisch eng verwandt (vergleiche Kalium bromatum). Sam Kean zu Chlor (SK 101): «Auf der Suche nach einem zusätzlichen Elektron (von p5 zu p6) attackiert es andere Elemente aggressiver als Brom, und da ein Chloratom weniger als die Hälfte eines Bromatoms wiegt, kann es Körperzellen leichter angreifen.» Die Aggressivität der Halogene nimmt von unten (Jod) nach oben (Fluor) zu. Man beachte, dass Chlor ein noch traurigeres Kapitel - in mehreren Kriegen, zuletzt im Irak unter Saddam Hussein - geschrieben hat als Quecksilber, nämlich als Senfgas, welches «die körpereigenen Abwehrmechanismen überrollt und Nebenhöhlen und Lungen zerreisst» (SK 102). Die Quint-Essenz: Mercurius corrosivus wirkt zerstörender als Mercurius solubilis.

 

Weist eine Krankheit auf solubilis hin, sollten die andern Quecksilberzubereitungen dann angewendet werden, wenn entscheidende Symptome dafür sprechen, auch wenn andere Symptome im Vergleich mit Mercurius solubilis fehlen. Mercurius corrosivus ist vollständig im solubilis enthalten, aber die Wirkung ist intensiver.

 

Mercurius corrosivus «ist indiziert bei entzündlichen Symptomen heftigster Art. Es gibt kein Mercur-Präparat, das so intensive Symptome hervorruft, wie das Sublimat. Es verursacht brennende, quälende Schmerzen…» (KA 570), begleitet von Photophobie, wund machendem Tränenfluss, Ulcera von Cornea und Nasenseptum, und begleitet von schnellem, schwachen Puls. KA 690: «Wenn es ein bestes Mittel gibt für Retinitis (und Iritis), so ist es Mercurius corrosivus».

 

VA 26: «Mercurius corrosivus bewirkt erstickende Schwellung des Halses, mit Hitze, wie durch glühende Kohle, Hals trocken, weicher Gaumen und Hals sind ulzeriert… Schlucken verursacht Glottisspasmen…» (mit Tenesmus und Engegefühl). VA 25: «Mercurius corrosivus verursacht chronische Nephritis, Albuminurie, Harnzylinder, Rückenschmerzen, Wassersucht, Husten mit blutstreifigem Schleim…», indiziert bei dickem, gelbem oder grünem Fluor, bei Balanitis und postentzündlicher Phimose.

 

Zu ergänzen sind die Magen-/ Darmentzündungen mit blutigem Erbrechen, blutigen Stühlen, Spasmen und entzündlichen Strikturen. <Eier, Butter, Bier werden schlecht ertragen, >Blähungsabgang bessert, <schlucken und Aufstossen verschlimmern die Halsbeschwerden, allgemein verschlimmert die <Berührung, während das Liegen auf dem Rücken und das gekrümmte Liegen sowie das >Dehnen bessert. Das <kühle Herbstklima und <heisser Sonnenschein können auslösende Faktoren sein.

 

Zum Genius von Mercurius corrosivus im amokoor: Tenesmus/ Striktur. Geschwür phagedänisch. Knochenschmerzen (Schädel). Aufgedunsen Gesicht/ Haut. Wie eng. Ophthalmia neonati. Pupillen verengt/ verwachsen/ Iritis/ Retinitis (!). Erbrechen/ Stuhl schwarz/ Blut/ gallig. Harn tropfenweise/ blutig/ eiweisshaltig/ schleimig. Balanitis/ Phimose. Mens zu früh. Blöd. Begreifen/ Verstand langsam. <essen Butter/ Eier/ <Bier. >Blähungsabgang. <ausstrecken Zunge. <schlucken/ Aufstossen. <Herbstklima/ <Sonnenschein heisser. <Berührung. <bücken. >Liegen auf Rücken/ gekrümmt. <Coitus. <schlafen. <anstrengen geistig.

 

Mercurius jodatus flavus

Quecksilberiodid Hg2I2

 

Mercurius jodatus flaves ist wegen des Jodanteils 53-I ([Kr]5s24d10p5) bezüglich Lymphknoten ein potentes Arzneimittel, ist doch Iod bekannt für seine Affinität zu den Drüsenstrukturen. Ferner dient es als Antisepticum (Haut, Schleimhaut). Mercurius jodatus favus ist im Taschenbuch von Bönninghausen praktisch nicht existent, wird aber weitgehend «abgedeckt» durch Mercurius solubilis.

 

(VA 23 ff) «Mercurius iodatus flavus zeichnet sich durch den immer bestehenden dicken, gelben Belag des hinteren Teils der Zunge aus.» Es wird «als Folgemittel von Lachesis genannt, wenn der Rachen blaurot und ulzeriert ist, die Drüsen enorm geschwollen sind und Stimmverlust eintritt… Es ist erforderlich, wenn die Membranen auf der rechten Seite stärker (jüngstes Symptom?) sind. Der sehr rote Hals erinnert an Belladonna, doch besteht ständige Sekretion von Schleim und dickem, zähem Speichel, der… hochgeräuspert wird; Besserung durch >warme Getränke, Schwellung der Halsdrüsen. Die Zungenbasis ist immer dick und schmutzig gelb belegt. Ohnmacht, Müdigkeitsgefühl des ganzen Körpers… Schwacher unregelmässiger Puls.»

 

(KA 573): «Die Iod-Präparate des Mercurs sind vorzuziehen beim Hunter`schen oder Harten Schanker (Primäraffekt). Das ist eine Geschwürsform, welche Iodatus und Biiodatus hervorgebracht haben, also werden dieselben auch heilen». Entsprechend dem Jod-Anteil gehört auch die loco-regionale Lymphknotengeschwellung immer dazu. Wichtig ist die Bemerkung von Farrington: «Das eigentliche innere Mittel, wenn es auch nicht ganz dem Auftreten sekundärer (!) Erscheinungen vorbeugt, wird wenigstens deren Intensität verringern.» Diese Aussage hat eine weitreichende Konsequenz, auch wenn Farrington vor allem für die sekundäre Syphilis Aurum metallicum und für die tertiäre Syphilis Kalium jodatum empfiehlt (VA 464 ff).

 

Zu ergänzen sind das Bedürfnis nach Saurem, die grünen oder klebrigen Stühle (wie Kitt) und das lebhafte, geschwätzige Gemüt mit Neigung zur Gewalttätigkeit. <Gerüche oder selbst der <Anblick von Speisen erwecken Übelkeit. In der <warmen Stube und bei <Müssiggang (typisch für Jod) tritt Verschlimmerung ein.

 

Zum Genius von Mercurius iodatus flavus im amokoor: Bohrender Schmerz hinaus. Verhärtung der Drüsen/ schmerzlos(!). Gefühl wie Klumpen. Retronasal Drip. Purpurrot/ livid. Zunge belegt gelb im hinteren Teil (Ränder rot). Rachen Seite rechts. Stuhl grün/ schwarz/ klebrig/ wie Kitt. Lebhaft/ geschwätzig/ gewalttätig. B Saures, <Geruch starker, <Anblick/ Geruch von Essen. <trinken Warmes. <schlucken leer. <Stube warme, >Luft freie. <Winter-/ Frühlingsklima/ Wetter schwül. <Masern. <Müssigsein. <schreiben. <beim Aufstehen, <morgens. 

Mercurius bijodatus ruber

Hydrargyrum biiodatum HgI2

 

Mercurius bijodatus ruber ist fast deckungsgleich mit Mercurius jodatus flavus und beide werden durch Mercurius solubilis «abgedeckt». Da doch einige der den verschiedenen Quecksilber-Arzneien zugeteilten Symptome bei Mercurius solubilis fehlen, erhält man die Möglichkeit Mercurius bijodatus ruber und anschliessend Cinnabaris doch noch ein wenig zu differenzieren. Dabei müssen auch Symptome im niedrigsten Grad berücksichtigt werden, da nur wenige Symptome durch Heilung verifiziert sind. Bönninghausens anfängliche Methode bestand darin, die Symptome zu graduieren auf Grund der Wiederholung der Symptome, also auf Grund ihrer Skaleninvarianz, was hier ebenfalls gemacht wurde. Ferner ist man auf die allgemeine Erfahrung vergangener Autoren angewiesen, hier z.B. auf Farrington.

 

Aus den Molekülen HgCl2 und 2KI gewinnt man 2KCl und HgI2, letzteres als rotes Pulver. KA 570: «Mercurius bijodatus (ruber) ist indiziert bei Entzündungen des Auges. Die Symptome sind sehr ähnlich denen von Vivus, aber beim Bijodat findet sich mehr Drüsenschwellung (schmerzlose).» Ferner VA 465: «Harte, rote Schwellung an der Vorhaut… mit hartem, völlig schmerzlosem Schanker (Lues!) im Zentrum.»

 

(VA 27): «Mercurius biiodatus ruber ist bei Scharlachangina oft hilfreich. Es unterscheidet sich durch Vorherrschen der linksseitigen Wirkung und die weniger deutliche gelbe Zungenbasis…» (KA 571): «Bijodatus und Jodatus sind indiziert bei diphtherischen Halsleiden oder auch bei wirklicher Diphtherie. Das Bijodat ist von Nutzen, wenn die Membran auf der linken Seite sitzt, wenn die linke Mandel entzündet ist und sich eine gelblich graue Membran dort bildet… Der Kranke hat Anhäufung von schleimigem oder klebrigem Sekret in Mund und Hals. Die Symptome verschlimmern sich beim <Leerschlucken (wie bei flavus). Der einfache Versuch, Speichel zu verschlucken, macht mehr Schmerz, als das Schlucken von Speisen.»

 

Vergleicht man nun Merc. bijodatus ruber mit Merc. solubilis, finden sich einige Symptome, die sich beim Solubilis nicht finden, so z.B. das Bedürfnis nach Salz, die abendliche Schläfrigkeit, die bläulichen oder purpurroten Flecken, die Aufgedunsenheit zwischen den Augen und die Verschlimmerung durch <Müssigsein. Der Gemütszustand wechselt von fröhlich zu verdriesslich.

 

Zum Genius von Mercurius bijodatus ruber im amokoor: Grippe. (Muskel-) Rheuma. Gefühl wie Klumpen. Purpurrot. Entzündliche harte Geschwulst. Aufgedunsen Nasenwurzel/ (Ethmoiditis). Schmerzlose Drüsengeschwulst (Hals, Leiste) mit Verhärtung. Rachen Seite links. Scharlach. Verdriesslich/ fröhlich/ wechselhaft, schläfrig abends. B Salziges. <schlucken leer. <Erkältung/ Katarrh/ Winter. >gehen im Freien, <Müssigsein. <Erwachen.

 

Cinnabaris

Merurius sulfuratus ruber = Zinnober = HgS

 

Das Mineral Quecksilbersulfid [aus Hg(CO3COO)2 + H2S → HgS + 2 CH3COOH] ist wegen seiner extremen Schwerlöslichkeit ungiftig. Für die Homöopathie gilt nach Farrington (VA 20): «Cinnabaris ist die Form von Quecksilber, die für sykotische Auswüchse gebraucht wird: kleine, schimmernde Punkte auf der Eichel» (auch bei Herpes genitalis?). VA 464: «Kombination aus Syphilis und Sykosis. Fächerförmige Feigwarzen; Schwellung des Penis; heftiges Jucken der Drüsen; kleine Geschwüre am Gaumen und der rechten Seite der Zungenspitze; Nasenkatarrh (mit Retronasal Drip). Zäher Schleim in den Choanen. Rote geschwollene Schanker (Ulcus molle = schmerzhaft/ durum = schmerzlos) mit Sekretion dünnen Eiters; harte erhabene Ränder (Ulcus durum), nicht empfindlich.» (Mundschleimhaut/ Rachen?).

 

VA S. 27: «Cinnabaris verursacht nächtliche Trockenheit des Halses, der nach jedem Erwachen angefeuchtet werden muss. Viel schmutziger, gelber Schleim in den Choanen.» KA S. 572: «Sie ist indiziert bei Nasenkatarrh, wenn starker Druck auf die Nasenwurzel vorhanden (Sinusitis frontalis oder sphenoidalis?), ein Gefühl, als etwas Schweres auf die Nase drückte… Der Hals ist geschwollen, die Mandeln vergrössert… Wir haben Cinnabaris nützlich gefunden gegen Halsleiden bei Scharlach, das oft diphtherischen Charakters ist, wenn sich viel strähniger Schleim in den hinteren Nasenhöhlen anhäuft.»

 

All diese Symptome werden vollumfänglich von Phos., nicht aber von Merc. solubilis abgedeckt. Nun stellt sich die Frage, welche zusätzlichen Symptome von Cinnabaris sich nicht bei Merc. sol. finden. Es sind dies: Die Affinität zum Tränengang, die Verschlimmerung durch <Gesellschaft, durch <Rauch, beim <Fixieren eines Gegenstandes und bei <geistiger Anstrengung, bei <Beginn der Bewegung, beim <Schreiben sowie Besserung durch >Dehnen, durch >Befeuchten und durch >Sonnenschein, die schmerzlose Drüsengeschwulst und ganz allgemein die Warzen! (blutend/ entzündet, vgl. Thuja/ Caust.) Diese ergänzenden Symptome finden wir in ihrer Gesamtheit bei keiner einzigen andern Arznei. Cinnabaris ist infolge seines Schwefelanteils ein aussergewöhnliches Quecksilberpräparat.

 

Zum Genius von Cinnabaris im amokoor: Feigwarzen/ Warzen (blutend). Geschwüre mit hartem Rand. Bubo. Entzündung der Cornea/ Naso-ciliar-Neuralgie. Sinusitis frontalis/ Retronasal Drip/ zähe Nasenabsonderung. Tränengang. Glans penis. <warme Luft/ Wetterwechsel. >Sonnenschein. <Rauch. >befeuchten. <sehen lange. <Berührung/ kämmen Haar/ kratzen. <schreiben/ bewegen anfangs. >sich strecken/ >dehnen/ <Gesellschaft. <Gesellschaft. <schlafen anfangs. <anstrengen geistig.

 

Autor:

Urs Steiner, Dr. med.

Staldenstrasse 10, 6405 Immensee

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